Es ist H’onk Zeit

Februar bis April ist für Tschetschenen eine besondere Jahreszeit, denn in dieser Zeit wächst wohl die beliebteste Pflanze überhaupt – Honk. Nein, damit ist nicht das Schimpfwort gemeint – das Wort wird anders betont im tschetschenischen und nach dem ersten Buchstaben folgt ein weiches Zeichen. In Tschetschenien oder Inguschetien wird es wohl niemanden geben der H’onk nicht schon probiert hat. Entweder liebt man es oder man hasst es. Ohne H’onk kann ein „echter“ Tschetschene im Frühjahr nicht leben, es geht einfach nicht. Egal wo man ist, ob in der Heimat oder in Europa, ob wir Krieg haben oder Frieden – man muss H’onk essen.

Im deutschen nennt man die Pflanze Bärlauch (Allium ursinum), die Pflanze ist verwandt mit Zwiebel, Schnittlauch und Knoblauch. H’onk hat einen sehr intensiven und starken Geruch, andere bezeichnen es auch als Gestank. Besonders stark entfaltet sich der Geruch beim Zubereiten, dann riecht es nicht nur in der Wohnung oder im Treppenhaus, es riecht auch im Hinterhof, auf der Straße und beim Nachbarn in der Küche. Laut Wiki nennt man Bärlauch auch als wilder Knoblauch oder Hexenzwiebel. Wir nenne es einfach H’onk. Eine alte Dame erzählte uns, dass Sie Bärlauch in Deutschland sehr gut kennen. Während der Hungerszeit im Krieg und nach dem zweiten Weltkrieg habe man sich auch mit Bärlauch und anderen Waldkräutern ernährt, erzählte Sie. Bärlauch ist sehr gut bei Magen-Darm-Störungen, wirkt antibakteriell und stärkt das Immunsystem. Dass es Bärlauch auch in Deutschland vorkommt war für uns eine positive Überraschung. Es war auch eine große Überraschung zum ersten Mal im Laden Bärlauch verkaufen zu sehen, leider nur in sehr winzigen Portionen als Delikatesse oder Gewürz.

Die Pflanze hat, soweit ich weiß, drei Phasen. Zuerst ist es ein Bärlauchstengel, danach wird es Blättrig und es folgen Blüten. Wir ernten H’onk bevor es Blättrig wird. Die Bärlauchstengel sind zur dieser Zeit ca. 5-15 cm groß. In Deutschland werden, soweit ich weiß, eher die Blätter verwendet entsprechend wird später geerntet.

Wie wird es zubereitet? Die Zubereitung ist ziemlich einfach. Man kocht zuerst ca. 1 kg Bärlauch im gesalzenen Wasser (ca. 3l) für 5-7 Minuten. Wasser wird abgelassen und die geschrumpfte Masse wird in vorgewärmte Pfanne mit Butterschmalz gekippt. Braten bis es leicht bräunlich wird. Kurz vorm Finish einen EL Tomatenpaste dazu, rühren. Das wars. H’onk reicht man nun im Teller mit Maisfladen oder Weizenfladen. Das Kilo Bärlauch ist für vier Portionen. Es gibt welche, für denen ist es auch nur eine Portion. (Quelle)

Das war ein einfaches Rezept. Es gibt dann weitere Gerichte, wie Teigtaschen mit Bärlauch und Brennnessel Füllung, oder der Bärlauch wird im Milch statt im Wasser gekocht dann mit Pilzen und Fleisch gereicht. Aus den Bärlauch Stiefeln wird diverses zubereitet, weiß nicht mehr was es genau war etc. Die meisten Tschetschenen lieben es aber pur, sowie im ersten Rezept beschrieben und die Teigtaschen mit Bärlauch + Brennnessel Füllung sind sehr beliebt.

Natürlich gibt es auch Landsleute die H’onk-Saison nicht sonderlich lieben, weil Sie H’onk entweder nicht vertragen oder den Gestank unerträglich finden. Nach dem man bei H’onk richtig zugeschlagen hat, dauert es 2-3 Tage bis man den Bärlauch/Knoblauch Geruch loswird. Dies wiederum zwingt in Europa viele Landsleute die Arbeitstätig sind oder Schüler und Studenten dazu von Bärlauch Abstand zu halten oder nur am Wochenende damit unartig zu sein. Nicht nur in deutschen sondern auch in europäischen Wäldern wächst Bärlauch. Die Leute sammeln es, die Tschetschenen natürlich auch. Es gibt sogar Landsleute die H’onk ernten und per Post an Besteller in Europa verschicken. Eine KG Bärlauch kostet mit Versand 5-9 Euro innerhalb Deutschlands. Wer es selbst ernten möchte, für den habe ich einen Tipp. Letztes Jahr habe ich z.B. eine Webseite entdeckt, dort werden viele Wildpflanzen und Kräuter in einer Datenbank gesammelt. Man filtert es nach den gewünschten Wildkräutern in seiner Umgebung, ziemlich praktisch: https://mundraub.org

H’onk selbst zu ernten ist auch ein schönes Erlebnis und Erholung zugleich. Wenn man eine entsprechende Stelle kennt, sollte man es mit Freunden/Familie mal versuchen, die Frische Luft und Naturnähe hinterlässt schöne Erinnerungen. Hier ein Video aus YouTube aus dem Kaukasus wo ein Speedernter zeigt wie es geht.

Wer Bärlauch erntet sollte aber auch vorsichtig sein. Bei Bärlauch besteht eine Verwechselungsgefahr mit anderen Wildpflanzen die sogar giftig sind. Ein aktueller Beitrag dazu hier.

OpenKavkaz – Ein einzigartiger Fotoprojekt

Heute möchte ich das schöne Projekt „Open Kavkaz“ vorstellen und paar Bildern posten. OpenKavkaz soll laut eigenen Angaben unabhängiges und unkommerzielles Fotoprojekt sein welches den Kaukasus erkundet, dessen einzigartige Natur sowie nationale Kulturen und Sitten. In einer Reihe von Artikeln mit Fotos, Videos und virtuellen 3D-Panoramen wird und soll in den nächsten Jahren der schöne Nordkaukasus, Südspitze Russlands, vorgestellt werden. Nicht nur die allen bekannten, sondern auch einzigartige, schwer zugängliche und unerforschte Sehenswürdigkeiten sollen dem breitem Publikum vorgestellt werden.

Ein neuartiges Projekt im russischsprachigen Internetraum. Diese Arbeit verdient seine Achtung. Leider ist die Seite zurzeit nur in der russischen Sprache, bei den 3D-Panoramen können aber die Bildbeschreibungen ins englisch umgestellt werden. Sicherlich wird in der Zukunft auch die komplette Internetseite mindestens im englisch vorhanden sein.

Vielleicht überwinde ich mich und poste aaaaab und an Beiträge von OpenKavkaz übersetzt.

Aus Tschetschenien gibt es bisher nur zwei Orte bebildert, Kesenoiam (See) und Testarhoy (ein Turmdorf). Ansonsten gibt es aus Inguschetien, wo viele der Burgen und Sehenswürdigkeiten noch erhalten geblieben sind, sehr viele Bilderreihen und 3D-Panoramen. Das Projekt ist neu und hat viel Potenzial. Ihr könnten nun dem beim Wachsen zusehen 😉

Hier paar schöne Bilder des Kesenoiam und eine Beschreibung aus Wikipedia:
Der Kesenoiam (tschetschenisch Къоьвзанан Іам) ist ein alpiner See in Tschetschenien und Dagestan (Russland), der auf 1.870 Metern Höhe liegt und eine Fläche von 2,4 Quadratkilometern einnimmt. Die maximale Tiefe beträgt 74 Meter. Der See friert im Winter zu und hat im Sommer eine Wassertemperatur von etwa 5 °C unter 20 Meter Wassertiefe, darüber 5 bis 18 °C. Er ist das ganze Jahr über gut mit Sauerstoff versorgt und relativplanktonarm. Im Kesenoiam lebt eine endemische Forellenart, Salmo ezenami. Diese war bis zur Einführung von zweiKarpfenfischen die einzige Fischart des Sees und gilt heute als vom Aussterben bedroht.

openkavkaz.com-che-kezenoy-am-4061openkavkaz.com-che-kezenoy-am-4889openkavkaz.com-che-kezenoy-am-1705openkavkaz.com-che-kezenoy-am-1826   openkavkaz.com-che-kezenoy-am-1551openkavkaz.com-che-kezenoy-am-1725openkavkaz.com-che-kezenoy-am-4554openkavkaz.com-che-kezenoy-am-1515openkavkaz.com-che-kezenoy-am-4021openkavkaz.com-che-kezenoy-am-1511