Top 3 Instagram’er

Heute möchte ich drei tschetschenische Instagramer euch vorstellen, sehr unterschiedlich aber dennoch sind die Profile für jeden etwas. Einen Rechtsanwalt, ein Künstler und eine Community die sich mit tschetschenischen Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Co. beschäftigt und oft sehr Interessante Beiträge postet.

Murad Musaev (@muradmus) ist ein Rechtsanwalt und Leiter der Anwaltskanzlei „Musaev und Partner“. Der junge Anwalt, geboren 1983 in Grosny, hat es durch große Fälle mit denen er sich beschäftigte, die mediale Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Er war in einigen bekannten Fällen involviert u.a. die Erschießung von Budanow, Kriegsverbrechen durch Ulman und Kollegen, Verbot von Koran Übersetzung oder der Fall Anna Politkowskaja. Er ist auch Mitbegründer der „Rohingya Alert“ (@rohingya_alert) ein Pro-bono-Rechtsbeistand. Auf seinem persönlichen Instagram Profil postet er privates sowie berufliches. Er lebt und arbeitet in Moskau.

Als nächstes ist der „Künstler“ dran, ein Designer und Illustrator. Sein künstlerisches Engagement dient dem Erinnern und gedenken an die Opfer der Kriege, an die Helden und vergessenen Menschen, an die Verbrechen über die heute keiner mehr spricht aber ungesühnt bleiben. Sein Moto ist „Man kann vergeben, aber man sollte nie vergessen“, und das trifft die Nagel auf den Kopf! Oder wie man in Deutschland sagt „Das größste Verbrechen ist das Vergessen“. Die Bilder, Audios oder Videos von @dicdirdac sind Schwarz-Weiß gehalten. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist einen Ort zu haben, wo man an den Krieg und das Verbrechen erinnert wird. Im schnellen und hastigem Alltag ist man dazu geneigt vieles zu vergessen, obwohl es nur paar Jahre her ist und eine Katastrophe für unser Volk war. Erinnern, nicht um zu hassen, sondern zu wissen und zu gedenken. Ich persönlich bin @DicDirDac dafür sehr dankbar

Alle guten Dinge sind drei dachte ich mir und habe @teptar mit auf die Liste gesetzt. Die Gruppe ist sehr populär, hat über 71 Tausend Follower und manche der Beiträge werden immer wider von Ramzan Kadyrov gelikt. Wobei das letzte für mich in der Regel kein Argument dafür ist, sondern eher dagegen! Dennoch ist die Community @teptar etwas Besonderes. Sie schafft es den schmalen Grad zwischen Wahrheit und Regimetreue Linie zu wandern und dies gelingt der Gruppe manchmal erstaunlich gut. Außerdem werden dort Persönlichkeiten, aktuelle oder geschichtliche vorgestellt in knappen Beitrag. Die Gruppe agiert aus Tschetschenien und natürlich sind viele Beiträge darüber, wie toll doch Kadyrov und sein Vater sind, warne und immer sein werden. Wenn man diese Beiträge überliest ist es eine tolle Informationsquelle.

Operation Djihad – 6. August 1996

Der 6. August 1996 spielt in der tschetschenischen Geschichte eine sehr große Rolle. An diesem Tag begann nämlich die Operation mit dem Codenamen „Djihad“, in der die Hauptstadt Grosny wiedererobert wurde und welche zu einem Friedensvertrag führte. Eines der bekanntesten Fotos aus dieser Zeit, welches durch die ganzen Medien ging, ist das folgende Bild eines tschetschenischen Kämpfers in Grosny.

 

Der Probedurchlauf

Für die anstehende Operation gab es einiges an Vorboten, unter ihnen der Angriff im März des selben Jahres; ein Probedurchlauf für die tschetschenischen Kämpfer. Sie drangen am 6. März in Grosny aus verschiedenen Richtungen ein, Teilbezirke waren eine Zeit lang vollständig unter der Kontrolle der Tschetschenen und viele strategische Objekte wurden auch zeitweise Besetzt. Nach drei Tagen verlustreicher Kämpfe für die russischen Besatzer, verließen die Tschetschenen Grosny und nahmen Waffen sowie mehrere Panzer als Trophäen mit sich. In dem Angriff wurden 70-300* Besatzer getötet und 259 verletzt. Tschetschenische Kämpfer hatten nur wenige Verluste zu beklagen. Dank dieser Operation wurden viele Daten für die anstehende August-Operation gesammelt, der Probedurchlauf erwies sich als äußerst erfolgreich. Im August des selben Jahres stellte sich schnell heraus, wer welche Schlüsse aus dem Angriff im März gezogen hat.

 

Rückeroberung von Grosny

Um 5 Uhr in der Früh an dem Dienstag des sechsten Augusts begann der Einmarsch tschetschenischer Kämpfer in Grosny. Sie nutzten die Straßen, Wege und Pfade, die nicht unter russischer Kontrolle waren. Als einheimische kannten sich die Kämpfer deutlich besser im Land und in der Stadt aus als die russischen Truppen mit ihren veralteten Stadtkarten. Weiterlesen

Remember, remember, the end of November

Vor 25. Jahren, am 25-26. November 1990, haben die Parlamentarier des Tschetschenischen Parlaments für die Unabhängigkeit der Tschetschenischen Republik von der UDSSR gestimmt. Nachdem juristisch die Sowjetunion aufgelöst wurde, haben alle Regionen und Republiken, die ein Teil der neu gegründeten Russischen Föderation sein wollten einen Vertrag mit Russland unterzeichnet so z.B. Dagestan, Inguschetien, Tatarstan oder Burjatien. Andere Republiken der UDSSR wie Kasachstan, Armenien oder Ukraine haben ihre Unabhängigkeit erklärt und eigenes Staat gegründet, somit keinen Vertrag mit der Russischen Föderation unterzeichnet. Dann gab es noch Tschetschenien. Tschetschenien hat auf das Recht der Selbstbestimmung bestanden, wie Kasachstan oder Ukraine, wie auch seinerzeit von Boris Jelzin zugesichert hat – Nehmt euch Freiheit so viel ihr wollt.

Am 8. Juni 1991 wurde aus der von UDSSR unabhängigen Tschetschenischen Republik nach Wahlen und Volksabstimmung die Tschetschenische Republik Itschkerien gegründet. Erst am 25. Dezember 1991 wurde offiziell und formell die Russische Föderation, der Nachfolgestaat von UDSSR gegründet.

november1994_tschetschenienDas zweite wichtige Datum im November ist der 26. November 1994, der eigentliche Beginn des ersten Tschetschenienkrieges! An dem Tag versuchte Russland den vom Volk gewählte Präsidenten Dschochar Dudajew zu putschen. Dafür wurden tschetschenische Kriminelle aus der russischen Haft entlassen und zusammen mit der vermeintlichen Opposition und russischen Soldaten begann der Stumr auf Grosny, der am 29. November erfolglos für Russland endete und blutigen Beginn für Tschetschenien einläutete… Wie heute im Falle Krim und Ostukraine behauptete Russland stur und fest „Es gibt in Tschetschenien keine russischen Soldaten“ (Aussage des Verteidigungsministers P. Gratschow, 26.11.1994). Was Russen darunter Versteht haben ganz aktuell in der Ukraine erlebt.

Als der Sturm auf Grosny im November 1994 fehlschlug, erklärte Russland der jungen Republik den Krieg und marschierte mit aller Macht am 11. Dezember 1994 in Tschetschenien ein! Damit begann die Gewaltspirale, dessen Ende bis heute nicht in Sicht ist. Ganze Generation ist im Krieg aufgewachsen und kennt nichts anderes als Gewalt und Hass. Einige hundert dieser Jungen sind heute in Syrien und führen dort Krieg gegen Russland bzw. Assad, der von Russland unterstützt wird und für Russland wichtig ist.