Doku: Tschetschenien – Vergessen auf Befehl (HD)

Im Dezember 2014 jährte sich der Beginn des Ersten Tschetschenienkriegs zum 20. Mal. Für das tschetschenische Volk eine 20 Jahre andauernde, endlose Geschichte der Auslöschung. Zehntausende starben in den Kriegsjahren und insbesondere Männer zwischen 14 und 70 Jahren auch im Namen des „Kampfes gegen den Terror“. Über ein Jahr lang filmte Manon Loizeau das von Wladimir Putin angeblich befriedete Tschetschenien: ein Land des Verdrängens. Jeder, der versucht, sich zu erinnern, wird vernichtet. Denn der junge vom Kreml eingesetzte Präsident Ramsan Kadyrow regiert mit eiserner Hand. Als neuer Landesvater träumt er von einer Gesellschaft ohne jegliche Erinnerung, deren Vorbilder Putin und Stalin sind.

HBS: 20 Jahre Beginn des Tschetschenienkriegs

Im Russland Blog der „Heinrich Böll Stiftung“ hat Herr Jens Siegert versucht das in Erinnerung zu rufen, was viele schon vergessen haben und ein Rückblick gewagt. Diesen Beitrag habe ich leider erst heute entdeckt.

Vor ziemlich genau 20 Jahren begann der Erste Tschetschenienkrieg. Ziemlich genau. Denn die genaue Datierung ist nicht ganz einfach. Es gibt drei Daten. Am 26. November 1994 versuchten etwa 1.200 tschetschenische Kämpfer, unterstützt von russischen Soldaten, die tschetschenische Hauptstadt Grosny zu erobern. Der Versuch scheiterte blutig. Die Angreifer wurden aufgerieben. Viele wurden getötet. Daraufhin unterschrieb Präsident Boris Jelzin am 30. November einen Ukas zur „Wiederherstellung der verfassungsgemäßen Ordnung“ in Tschetschenien. Am 11. Dezember dann marschierten russische Truppen nach Tschetschenien ein, aus dem sie sich nach dem Ende der Sowjetunion fluchtartig und unter Zurücklassung fast aller Waffen zurückgezogen hatten.

Nachdem diese Notizen schon fertig und redigiert waren, hat eine unbekannte Zahl von Bewaffneten im Stadtzentrum von Grosny mehrere Gebäude besetzt. Es gibt Tote. Die, laut tschetschenischem Oberhaupt Ramsan Kadyrow, inzwischen „sicherste Stadt Russlands“ ist ganz plötzlich wieder unsicher geworden. Die Menschen fürchten sich, einige flüchten. Schnell sind die Erinnerungen an noch schrecklichere Zeiten zurück. Um diese Erinnerungen geht es hier. Im Folgenden werde ich weniger analysieren und bewerten als vielmehr, ja, (mich, uns) erinnern. Denn wir mögen uns daran gewöhnt haben, nicht mehr alltägliche Schreckensmeldungen aus Tschetschenien zu hören. Der aktuelle Schrecken dort ist ruhige, friedhofsruhiger. Aber er ist nicht weg. Nur verdrängt. Von Hoffnung und von Angst. Weiterlesen

Kurzfilm: C1a (Haus)

Heute möchte ich einen Kurzfilm mit euch teilen. Ich bin generell ein Liebhaber von Kurzfilmen, seien es animierte, Dokumentar oder Darama. Kategorie spielt für mich bei Kurzfilmen im Großen und Ganzen keine Rolle. Als erstes Fallen mir ein „Überfischung der Meere“, „Schwarze Milch“oder „Last Words“. Nicht unbedingt weil es die besten sind, sondern weil ich sie zuletzt geschaut und den Titel noch in Erinnerung habe. Zuletzt sorgte ein animierter Kurzfilm von einem deutschen Studenten im Internet für Aufsehen – R’ha, so meine ich wird es geschrieben. Eine aufwendig erstellte Animation, die Millionen im Web angeklickt haben.
Der Kurzfilm „C1a“ was aus dem tschetschenischen Haus bedeutet, wurde von einem tschetschenischen Studenten geschaffen. Ruslan Magomadovs „Haus“ basiert auf realen Ereignissen. Es ist die Geschichte eines alten Mannes, der während des Tschetschenien-Krieges im zerstörren Grosny zurückbleibt. Er wird von niemanden gebraucht, er kann nirgends hinfliehen, dass einzige was ihm bleibt ist sein Haus. Tag für Tag repariert er und arbeitet an seinem Haus mit den Utensilien, die er in benachbarten Ruinen findet. Nachts versteckt er sich in seinem Keller vor Angriffen und Plünderungen des russische Militärs.
Der Film erzählt von Überleben im Krieg, Einsamkeit und von der Hoffnung auf eine Zukunft.

Die Folgen der Kriege seit 1994 sind schlimmer als die Folgen der Deportation 1944

69. Jahrestag der Deportation von Kaukasusvölkern (23.2.1944)

Berlin/Göttingen. Nach knapp 20 Jahren Krieg, Bürgerkrieg und schließlich autoritärer Gewaltherrschaft unter Präsident Ramzan Kadyrow leidet die tschetschenische Zivilgesellschaft sehr unter Gewalt, Willkür, Angst und Straflosigkeit. Überlebende der Verschleppung 1944 klagen, die Lage sei heute sogar schlimmer als damals unter Stalin, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) anlässlich des 69. Jahrestages der kollektiven Deportation der Tschetschenen und Inguschen (23.2.1944). Schwere Menschenrechtsverletzungen seien in Tschetschenien an der Tagesordnung, obwohl darüber kaum Berichte an die Öffentlichkeit dringen. Ohnmächtig dem Regime von Kadyrow ausgesetzt, zermürben Armut und Arbeitslosigkeit die Menschen zusätzlich. 20.000 Tschetschenen sind noch immer in russischer Haft. Die meisten werden systematisch gefoltert. Die rund 200.000 Tschetschenen, die geflohen sind, können sich kaum in Sicherheit wähnen.

Um diese unerträgliche Situation zu verbessern und das Leiden der tschetschenischen Zivilbevölkerung zu mildern, hat sich die GfbV jetzt mit einem dringenden Appell an einen weiten Kreis von Verantwortlichen in der EU, im Europaparlament sowie die Innenministerin Österreichs und deutsche Regierungsvertreter gewandt. „Das Gewaltregime in Grosny darf nicht einfach hingenommen werden“, heißt es in dem Schreiben der Menschenrechtsorganisation an die Politiker. „Vielmehr muss vom russischen Präsidenten Wladimir Putin verlangt werden, Diktator Kadyrow in die Schranken zu weisen und die russische Verfassung in Tschetschenien durchzusetzen

Auch die EU-Flüchtlingspolitik müsse angesichts des Schicksals, das tschetschenischen Flüchtlingen bei einer erzwungenen Rückkehr oder in ärmeren EU-Randstaaten droht, dringend verändert werden. „In Polen, Ungarn oder Tschechien werden die oft traumatisierten Flüchtlinge in Gefängnisse gesperrt, medizinisch kaum versorgt und in ständiger Angst vor Abschiebung gehalten“, kritisierte die GfbV. Auch aus Österreich, wo die Anerkennungsquote für Tschetschenen jahrelang hoch war und circa 25.000 von ihnen eine zweite Heimat gefunden hatten, werden jetzt Asylanträge sogar in eindeutigen Fällen von Verfolgung abgelehnt und Flüchtlinge abgeschoben. Ihnen drohen in Russland Gefängnis und Folter. Am heutigen Donnerstag soll wieder eine Massenabschiebung stattfinden.

Von der deutschen Bundesregierung forderte die GfbV einen Kurswechsel hin zu einer werteorientierten Außenpolitik. Deutschland dürfe sich nicht länger wider besseres Wissen von Russland blenden lassen. „Die Duma, die Justiz und die gewählte Regierung sind nur noch dazu da, die autoritäre Politik von Putin umzusetzen. Für fortgesetzte Energielieferungen und starke wirtschaftliche Beziehungen werden Menschenrechte, aber auch die demokratische, liberale russische Opposition geopfert“, sagt die GfbV-Referentin für die GUS-Staaten, Sarah Reinke. „Die Menschen in Tschetschenien jedoch werden ihrem Schicksal überlassen.“

Über die Lage der tschetschenischen Zivilbevölkerung berichtet Sarah Reinke…
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